Medienboard Mediengipfel

Zum 36. Mediengipfel  am 1. Juni 2015  bot das media.net berlinbrandenburg den über 400 anwesenden geladenen Gästen im Berliner Radialsystem unter dem Titel „Are you prepared for the future of entertainment?“ ein spannendes und unterhaltsames Gespräch zwischen Steven Gätjen und Gary Davey, Executive VP Programming bei Sky Deutschland.


Mediengipfel 005Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Susanne Stürmer, Vorstand des media.net berlinbrandenburg, drehte sich in der folgenden Diskussion alles um Gary Davey, der getrost als Pay-TV-Veteran bezeichnet werden kann, spielte er in den 90er Jahren bereits eine Schlüsselrolle bei der Einführung des Pay-TV in Großbritannien. Seit 2011 ist er für das Programm von Sky in Deutschland verantwortlich und setzte bereits frühzeitig, bspw. mit der Verpflichtung von Harald Schmidt und der zeitgleichen Ausstrahlung von „Game of Thrones“ in USA und Deutschland, programmliche Impulse.

Im Talk mit Steven Gätjen betonte Davey die besondere Bedeutung von Eigenproduktionen für Image und Profilierung von Pay-TV-Sendern und nannte u.a. die neuen Produktionen „Young Pope“ und „Babylon Berlin“ als Beispiele. Das frühere Argument, Pay TV-Eigenproduktionen würden nicht funktionieren und ließen sich nicht finanzieren, da das Free TV einfach zu gut sei, existiert laut Davey heutzutage nicht mehr. Pay TV-Sender und allen voran Sky haben in den letzten Jahren konsequent an Zuschauererwartungen gearbeitet und sich gezielt auf Stories, die langfristig entwickelt werden und komplexe Charaktere besitzen, konzentriert.

Mediengipfel 015Davey forderte eine Umkehr der Denkweise von „Channel Brands“ zu „Content Brands“ und legte insb. den „Game of Thrones“-Case der Pop-Up-Channel zum Start der neuen Season, die zu 90% lineare Abrufe unter den Abonnenten gehabt hätten, zugrunde. Content zum Event zu machen sieht er als zentralen Faktor für zukünftigen Erfolg. Dabei proklamiert Davey nicht den Tod des linearen Fernsehens, sieht dessen Bedeutung in den nächsten Jahren aber noch stärker in Richtung Live-Events gehen.

Strategisch hält er eine Kombination von lokalem und globalem Content für sinnvoll und realistisch: lokaler Content bringe Relevanz, globaler Content bringe Effizienz. In Bezug auf die Sky-Länder UK, Italien und Deutschland, in denen insg. ca. 2.000 Projekte gepitcht werden, kündigte er neue Ansätze der Kooperation, gebündelte Produktionsbudgets und die gezielte Suche nach relevanten länderübergreifenden Stoffen mit internationalem Potenzial an. Er bezeichnete die Sky-Strategie als „Content, Innovation und Service interlinked Strategy“ im Premium-Segment und unterstrich die Bedeutung der Ausrichtung an den Bedürfnissen der Generation, die klassisches lineares TV ablehne.

Mediengipfel 008Davey sieht Sky in seiner Entwicklung in Richtung eines übergreifenden Medienhauses, dessen Ziel es sein muss, die Unique Features der einzelnen Medien noch stärker herauszuarbeiten und zu bedienen, und erwäge den Einstieg in die Mobiltelefonie. Dabei sei es für Sky außerordentlich wichtig, innovativ zu sein und Risiken einzugehen – insb. um sich vom herkömmlichen TV abzusetzen. Programmlich sieht er in den nächsten Jahren den klaren Fokus auf Drama-Formaten.

Auf die Besonderheiten des deutschen Marktes und sein eigenes Nutzungsverhalten angesprochen, bemerkte Davey, dass er es anfangs sehr befremdlich fand, dass nahezu alle Sender ihr bestes Programm parallel ausstrahlen. Er selbst sei zwar kein Digital Native, schaue aber nur noch sehr wenig lineares TV und nutze als Serienjunkie, der sich über die neue Kreativität sehr freue, häufig seinen IPad, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Fazit: Steven Gätjen führte ein sehr spannendes und offenes Gespräch mit Gary Davey, der bereitwillig antwortete und diskutierte. Und auf dem anschließenden BBQ am Spree-Ufer wurden auch Gäste, die nur zum Netzwerken kamen, mehr als zufrieden gestellt.

Der mediengipfel ist eine Veranstaltung des media.net berlinbrandenburg und wird gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg.

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