MEDIA CONVENTION

Zum zweiten Mal nach 2014 präsentierte sich die MEDIA CONVENTION, veranstaltet vom Medienboard Berlin-Brandenburg, im Mai 2015 in Kooperation mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und der ehemals als reinem internationalem Blogger-Event gestarteten re:publica an zwei Tagen in den weitläufigen und modernen Räumlichkeiten der „Station“ in Berlin.

Media Convention003Zur zentralen Eröffnung durch die re:publica Gründer Markus Beckedahl, Andreas Gebhard, Johnny Haeusler, Tanja Haeusler und Medienboard-Chef Elmar Giglinger war am 5. Mai 2015 der größte Saal der insg. 13 re:publica-Stages bereits zum Bersten gefüllt. Thematisch stand 2015 das Spannungsfeld zwischen kreativen und technologischen Prozessen im Focus der MEDIA CONVENTION: 150 nationale und internationale Experten aus Fernsehen und Film, Forschung und Politik trafen auf Entscheider der digitalen Wirtschaft und diskutierten in 49 Sessions und Veranstaltungen über aktuelle Themen der Medien- und Netzpolitik, über Trends im Medienmarkt, neue Strategien und Erlösmodelle und die Entwicklungen der Mediengesellschaft.

Media Convention169Auf insg. 3 dezidierten MEDIA CONVENTION Bühnen fanden am 5. und 6. Mai zahlreiche Veranstaltungen rund um Film, Fernsehen, Plattformen, Digitalisierung, Regulierung und neue Journalismusformate statt – und allesamt waren durchgehend sehr gut besucht; ein klares Indiz dafür, dass die Kooperation mit der re:publica hervorragend funktioniert und zusätzliche Gäste zieht. Für das kommende Jahr sollte definitiv über eine Vergrößerung der Säale nachgedacht werden.
Der scheidende Geschäftsführer des Medienboards Elmar Giglinger betonte in seiner Eröffnungsrede, dass wir derzeit in zwei komplett unterschiedlichen Medienwelten leben: Die Älteren, die immer noch bevorzugt die traditionellen Medien nutzen und die Unter-35-Jährigen, die ein vollkommen neues und davon abweichendes Mediennutzungsverhalten an den Tag legten. Den permanenten Wandel der Medienbranche spiegelte die Vielfalt der Sprecher wider: ob Netflix-Gründer Reed Hastings, ARD-Intendant Lutz Marmor, die Polit- und Medienaktivisten von Pussy Riot, YouTube Star LeFloid, Springer-Manager Christoph Keese, Blogger Stefan Niggemeier, Staatssekretärin Brigitte Zypries, Investigativjournalist Günter Wallraff, Soziologe Prof. Dr. Harald Welzer, Sky-Deutschland-Film-Chef Marcus Ammon oder Schauspielerin Meret Becker. Neu in diesem Jahr: die Preisverleihung des „Your Turn“ Creator-Video-Wettbewerbs und der Exhibition Space, auf der innovative Technologien aus den Bereichen TV, Web, Transmedia, Mobile und Games, von Virtual Reality über Branded Video Publishing bis hin zu automatisierter Animation ausprobiert werden konnten.

Media Convention029Das Highlight der diesjährigen MEDIA CONVENTION war sicherlich für viele die Rede von Reed Hastings, CEO von Netflix – die im aus allen Nähten platzenden großen re:publica Saal mit ca. 2.000 Sitzen stattfand. In typisch amerikanischer Manier schilderte Hastings seinen Berufsweg und sein eigenes Leben – es erinnerte, wenn auch auf sehr unterhaltsame und sympathische Art, sehr oft an „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Er berichtete von persönlichen Tiefpunkten und falschen Entscheidungen und betonte insb. wie wichtig es ist, Mut zu haben, Scheitern zuzulassen und aus den eigenen Fehlern zu lernen. Seine Preview auf die nächsten 20 Jahre der TV-Märkte verdeutlichte er mit den Worten „with every bit of progress, there is some loss“ und zog eine Parallele zwischen der Entwicklung von linearem/Web TV und Mobile Phone/Festnetz. Hastings berichtete natürlich auch über die Content-Strategie von Netflix, die weltweit in Original Programming in den Bereichen Unterhaltung, Serien und Filme investieren wollen und zeigte ausgewählte neue Programminhalte. Die Rede und anschließende Diskussion mit Alina Fichter ist hier abrufbar: Talk Reed Hastings, Netflix

Media Convention012Im Rahmen des Panels „Original Programming – TV Made in Europe“ diskutierten Sky-Film-Chef Marcus Ammon, ARD-Intendant Lutz Mamor und Dr. Sebastian Weil, GF von Studio 71 über die aktuellen Programm-Trends im deutschen Fernsehen. Marmor beschrieb dabei den aktuellen starken Schub an eigenproduzierten Highlight-Serien, der auch teilweise zu neuen Produktions-Konstellationen führe, wie bspw. die „Babylon Berlin“-Kooperation zwischen ARD und Sky bewies. Ammon betonte die Notwendigkeit von imagebildenden hochwertigen Eigenproduktionen für Pay-TV-Sender und zog einen Vergleich zu HBO – mittlerweile habe auch in Deutschland der Pay-TV-Sektor eine Größe erreicht, die die Finanzierung von Eigenproduktionen in Form von internationalen Kooperationen ermögliche. Auch Weil unterstrich die Relevanz von Originalprogrammen und wies darauf hin, wie wichtig es sei, die Rechte für alle aktuellen und potenziellen Plattformen und Verwertungsmöglichkeiten zu behalten und auszuwerten, um das eigene Profil zu stärken und Erfahrungen mit immer schneller entstehenden Plattformen im Web machen zu können. Das Panel diskutierte weitere inhaltliche Trends, wie horizontal erzählte Stories oder Cases für die gegenseitige Befruchtung von TV und Online.

Media Convention102Im Panel „Die Video-Offensive: Plattformen und ihre Bewegtbildstrategien“ präsentierten Robert Bridge (Yahoo), Martin Ott (Facebook), Dr. Christoph Schneider (Amazon) und Ben McOwen Wilson (YouTube) ihre Visionen und Strategien. McOwen Wissen berichtete über das kürzlich in Berlin neu eröffnete YouTube-Space, betonte die Relevanz der User-Auswahl von Themen und Inhalten und verkündete, dass YouTube in den USA im Moment mit long form content experimentiert. Bridge definierte Yahoo als „Media Company“ und kündigte mehr Investitionen in Content an. Aktuell konzentriere sich Yahoo auf Live Events, in UK bspw. durch die tägliche Übertragung eines Live Concerts in Kooperation mit LiveNation oder einer Global Ultimate DJ Competition gemeinsam mit Sony Music. Darüber hinaus seien Comedy-Eigenproduktionen geordert, wie bspw. „The Pursuit“, und für den Herbst auch Long Form Content geplant. Ott sieht Facebook als „Engine of Discovery“, die Strategie ist das Verbinden von Usern und Interessen, das Bereitstellen einer Plattform für „Connecting, Engaging, Sharing“ – aktuell besteht kein Interesse selbst in Content zu investieren. Schneider berichtete sowohl über die technischen Innovationen von Amazon (Amazon Fire) wie auch über Original Content, der durch Amazon Studios beauftragt – und über den dann von den Usern durch Voting auf der Plattform abgestimmt wird.

Über alle besuchten Veranstaltungen kann an dieser Stelle leider nicht berichtet werden. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die MEDIA CONVENTION ein sehr interessantes und aktuelles Programm bot, das auch zahlreiche neue Impulse lieferte. Es wurde ein guter Überblick über die aktuellen Trends und Themen gegeben – und oft auch kontrovers diskutiert. Spannend ist darüber hinaus – auch wenn leider nicht zu viel Zeit bleibt – auch immer, zumindest mal ab und zu in einige Veranstaltungen der re:publica reinzuschauen; insb. in solche, die nicht der eigenen Kernkompetenz entsprechen. Hier finden sich oft zahlreiche inspirierende Innovationen und Visionen, die durchaus auf andere Bereiche übertragbar sind.

Fazit: Auch im nächsten Jahr ist wieder ein Besuch geplant!

Weitere Informationen und auch die Video-Mitschnitte der einzelnen Panels und Diskussionen finden sich unter Media Convention Berlin

 

Weitere Impressionen aus Diskussionen sowie von der Location „Station“ in Berlin:

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